Geschichte des Löschzuges Lenkerbeck

Feuerbekämpfung gibt es in Lenkerbeck so lange, wie Einwohner diesen Ortsteil bewohnen. In alter Zeit waren diese Einwohner nur Bauern, ob in Lenkerbeck, Löntrop oder Korthausen. Diese drei Bauernschaften waren nicht nur familiär verbunden, sondern gehörten auch zur gleichen Kirchengemeinde, die damals noch eine große Rolle spielte. Alle alten Bauerngehöfte lagen in Niederungen an natürlichen Wasserläufen, so Löntrop am Loemühlenbach, Lenkerbeck am Silvertbach. Im Ernstfall bedeutete dies die schnelle Löschwasserbeschaffung zur Brandbekämpfung durch Aufstauen der Bäche. Besonders wichtig war gerade in solchen Fällen die Nachbarschaft, die für jeden Bauernhof eine feste Einrichtung war. Mit der Inbetriebnahme der Zeche Auguste Victoria veränderte sich der Ortsteil Löntrop-Hüls. Während aus dem abgetrennten Hüls allmählich eine Industrielandschaft wurde, blieb Löntrop reine Bauernschaft und mit Lenkerbeck verbunden.

"Brandwehr" anno 1890

Hinweise auf eine bestehende Feuerwehr in Lenkerbeck, die sich damals "Brandwehr" nannte sind schriftliche Aufzeichnungen ab 1890. Bei den früheren Feuerlöschverordnungen ging es vornehmlich darum, Bürger von amtswegen zur Schadenfeuerbekämpfung zu verpflichten. Viel hat sich danach nicht geändert, weil diese Aufgaben von den bestehenden Nachbarschaften schon immer erfüllt wurden. Allerdings erhielt Lenkerbeck dadurch im Laufe der Zeit ein Spritzenhäuschen, daß etwa 30 m nördlich des heutigen Gerätehauses stand. Es diente nebenbei auch als Kittchen für eingefangene Übeltäter bis zum Abtransport nach Recklinghausen.

Das Spritzenhaus war bei Bränden Sammelplatz für die Spritzenmannschaft, die damals in Zivil arbeitete. Nachdem vergeblich versucht worden war, eine vollständige Truppe auf freiwilliger Basis aufzustellen, wurden die Gespannhalter –es waren Bauern, Kötter und ein Fuhrunternehmer- zur regelrechten Brandwehr verpflichtet. Die damit verlangte Pflichtteilnahme zu genau vorgeschriebenen Übungszeiten stieß vornehmlich während der Frühjahrsbestellung und Erntezeit auf erhebliche Schwierigkeiten.

Victoriastraße in Marl, 1930

Dies alles führte dazu, die Entwicklung des Feuerlöschwesens neu zu überdenken. Aus den Aufzeichnung vom 03.03.1890 ist zu ersehen, daß der Löschdirigent (heute Löschzugführer) Theodor Kuhlmann war. Sein Vertreter war Heinrich Lohoff. Im Jahre 1908 war es dann nach mehreren Zusammenkünften so weit, daß 16 Bürger aus Lenkerbeck, Löntrop und Korthausen sich zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr zusammentrafen. Die Gespannhalter aus der Ortschaft Hüls wollten sich nicht beteiligen. Sie wurden aber von amtswegen verpflichtet, sich einer freiwilligen Feuerwehr Lenkerbeck-Löntrop zur Sicherung des Feuerschutzes anzuschließen.

Erster Brandmeister war der Landwirt Franz Oeldemann. 1910 übernahm der Bäckermeister Julius Korthaus das Amt des ersten Brandmeisters. Im Jahre 1910 gehörten der Wehr 24 Mann an, zum Spritzenmeister wurde Wilhelm Pepping bestellt.

Eigenständiger Löschzug um 1926

Lenkerbeck gehörte damals zum Amt Recklinghausen. Nach der Auflösung und der damit verbundenen kommunalen Neuordnung kam die Ortschaft vom 1. April 1926 an zum Amt Marl. Auf die Bezeichnungen wie Feuerwehr oder Brandwehr wurde von jetzt an verzichtet und nur noch der Name "Freiwilligen Feuerwehr" benutzt. Aus der bis dahin eigenständigen Feuerwehr Lenkerbeck wurde nun der Löschzug III der Freiwilligen Feuerwehr des Amtes Marl. Die Existenz des eigenständigen Löschzuges fand nach der neuen Grenzziehung schon sehr früh besondere Anerkennung durch die Einrichtung eines Feuerwehrgerätehauses. Mit dem sofort begonnenen Neubau an der Hülsbergstraße sollte die Einsatzbereitschaft erheblich verbessert werden. Am 7. Oktober 1928 übergab die Amtsverwaltung Marl das neue Gerätehaus an den Löschzug Lenkerbeck. Wenig später konnte auch die technische Ausrüstung ergänzt werden. Bereits 1929 wurde die vorhandene kleine Handspritze durch eine größere Hand- und Luftdruckspritze ersetzt.

1934 legte Julis Korthaus sein Amt als Löschzugführer nieder. In der Folgezeit waren die Kameraden Bernhard Pasing, Otto Ebbinghaus und Wilhelm Lueg mir der Führung des Zuges beauftragt. Am 03. November 1939 wurde Theodor Scheipers zum Löschzugführer ernannt. Diese Amt bekleidete er mit einer Unterbrechung durch den Wehrdienst und die Kriegsgefangenschaft bis zum Jahre 1973. Im Oktober 1973 schied er als Ehrenoberbrandmeister aus dem aktiven Dienst aus und gehörte seit dieser Zeit der Ehren- und Altersabteilung des Löschzuges an.

Technische Entwicklung im Feuerwehrwesen hält Einzug

Viele Jahre hindurch konnte die Feuerwehr die Aufgabe, des Nächsten Hab und Gut zu schützen, nur durch viel Fleiß, Arbeit und Mut erledigen. Die Gerätschaften waren einfachster Art, damit sie von jedermann leicht bedient werden konnten. Die Gefahr einer Feuersbrunst war damals besonders groß, durch das zum Bauen verwendete Material, die Lagerung von Stroh oder Heu und fehlende Wasserreserven. Bei solchen Verhältnissen war der Verlust des gesamten Besitzes bei Ausbruch eines Feuers gar nicht selten. Zurück blieb meistens viel Not und Elend.

Die technische Entwicklung hat daher im Feuerwehrwesen den notwendigen Einzug gehalten. Motorisierte Löschfahrzeuge waren eine spürbare Erleichterung. Jetzt konnten Mannschaften und Gerät erheblich schneller an die Einsatzstellen herangebracht werden. Marls erstes motorisiertes Löschfahrzeug stammt aus dem Jahre 1927. In Lenkerbeck mußten wir darauf noch 22 Jahre warten, denn erst 1949 wurde dem Löschzug ein solches Fahrzeug übergeben. Diese verbesserte technische Ausrüstung hat die Einsatzbereitschaft und Schlagkraft erheblich gesteigert. Im Jahre 1966 wurden drei Fahrzeuge des erweiterten Katastrophenschutzes überstellt und zwar ein Vorausfahrzeug (VLF), ein Tanklöschfahrzeug (TLF 8/8) und ein Löschgruppenfahrzeug (LF 16 TS). Die Verbundenheit des Ortsteils Lenkerbeck mit "ihrer" Feuerwehr beweist die Tatsache, daß eine Straße nach dem Feuerwehrgerätehaus benannt wurde, die Straße "Am Steigerturm".

Als Nachfolger des Löschzugführers Theodor Scheipers wurde 1973 Hauptbrandmeister Bruno Doberstein bestellt. Sein Vertreter wurde Hauptbrandmeister Bernhard Göddenhenrich. Nach kurzer, aber schwerer Krankheit, verstarb Bruno Doberstein am 23. November 1985. Als sein Nachfolger wurde Oberbrandmeister Johannes Oeldemann bestellt. Der stellvertretende Löschzugführer Bernhard Göddenhenrich legte Mitte 1986 sein Amt nieder. Zum stellvertretenden Löschzugführer wurde Oberbrandmeister Alois Stratmann bestellt. Wegen Eintritts in eine berufliche Werkfeuerwehr legte er diese Ehrenamt am 6. Januar 1986 nieder. Neuer Stellvertreter wurde Oberbrandmeister Martin Neumann. Nach dem Ausscheiden von Johannes Oeldemann wegen Erreichen der Altersgrenze im Jahre 2001 übernahme des bisherige Stellvertreter Martin Neumann die Führung des Löschzuges und Bernhard Brune die Stellvertretung.

Neuer Schulungsraum für den Löschzug III

Ende 1986 wurde der Schulungsraum komplett neu renoviert, sowie eine Küche eingebaut. Das Material stellte die Stadt Marl zur Verfügung. Die Arbeiten wurden durch Eigenleistung erbracht. 1988 wurde der Fahrzeugpark durch einen Rüstwagen (RW 1) erweitert, der aber 1997 wieder abgezogen wurde.

Der Löschzug 1991

Dem dringenden Wunsch des Löschzuges nach einer größeren Fahrzeughalle wurde nach jahrelangem Bitten und viel Ärger mit der Verwaltung 1991 entsprochen. In Eigenarbeit und unter zu Hilfenahme von ortsansässigen Firmen wurden zwei Garagen für Großfahrzeuge an der bestehenden Halle angebaut. Die Kosten für die Baumaßnahme betrugen 140.000,- DM.

Die beiden TLF 8/8 wurden 1994 durch ein TLF 8/18 ersetzt. Im Dezember 2001 erhielten wir einen Mannschaftstransportwagen (MTW). Im Dezember 2002 folgte eine neues LF 8/6.

Kein Mangel an Nachwuchs

Der Mitgliederbestand hat sich bis etwa zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges ziemlich konstant gehalten. Nach Kriegsende hat sich eine langsame aber stetige Aufwärtsentwicklung eingestellt. Die Treue zur freiwilligen Feuerwehr zeigte sich insbesondere während der Nazizeit. Durch verschiedene Gesetzesregelungen wurde die Freiwilligkeit sehr eingeschränkt. Die Polizeiführung hatte manches Mal mitzureden und bestimmte Teile der Ausbildung. Weitere Kennzeichen waren die Dienstverpflichtung zur Pflichtfeuerwehr und die Aufstellung des Luftschutzhilfsdienstes. Nach Kriegsende hat sich dann alles sehr schnell normalisiert. Hier trennte sich auch wieder die Spreu vom Weizen und übrig blieb eine Gemeinschaft von Idealisten, die sich dem Kampf gegen den roten Hahn verschworen hatte zum Wohle des Nächsten.

Die Jugendgruppe 1991

Seit der Gründung hat es immer wieder Männer gegeben, die sich freiwillig der Übernahme von Aufgaben für die Allgemeinheit gestellt haben. So ist es auch bis heute noch geblieben. Es besteht überhaupt kein Mangel an Nachwuchs. Die 1977 gegründete Jugendfeuerwehr ist der sichtbare Beweis. Der Personalbedarf wird aus dieser Nachwuchsorganisation gedeckt. Wer sich schon im Kindesalter einer solchen Aufgabe verschreibt, diese als Jugendlicher beibehält und sie nach der Aufnahme in die Stammwehr aktiv weiterbetreibt, der hat den Wahlspruch verstanden, der da heißt: "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr".

Geschichte der Jugendfeuerwehr Lenkerbeck